Gibt es eine Verbindung zwischen Ernährung und Kniearthrose?

April 01, 2019



Wie liebevoll gehen wir mit unserem eigenen Körper um … mit all den kleinen und großen Wundern des Körpers, ohne die wir überhaupt nicht mobil wären?

Geben wir unserem Körper die richtigen Nährstoffe – oder doch eher die typische, „moderne" Ernährung mit viel Salz, Fetten und Zucker? Diese Frage stellt sich besonders für alle, die unter chronischen Gelenkschmerzen leiden und deren körperliche Funktion durch Arthrose eingeschränkt ist. Viele fragen sich, wie sie Knieschmerzen bei Gonarthrose lindern können. 

Für Arthrosepatienten bedeutet der liebevolle Umgang mit dem Körper nicht nur, regelmäßige Arzttermine einzuhalten oder sich die heißersehnten bequemen Schuhe zu gönnen. Es bedeutet auch, die Qualität der Nährstoffe zu überdenken, mit denen wir uns auf den Weg von A nach B machen. Und es wird klar, dass unsere Lebensmittel vielleicht noch wichtiger sind als wir denken.

Ja-Nein-Vielleicht: Essen bei Entzündungen

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Die Ernährung kann eine Arthrose im Grunde genommen nicht heilen. Jedoch sind medizinische Spezialisten wie Diätassistenten und Ernährungsberater der Ansicht, dass bestimmte Lebensmittelsorten die Symptome der Krankheit durchaus verbessern können, andere dagegen genau umgekehrt wirken und die Schmerzen und Entzündungen im Körper verstärken. Im Allgemeinen sprechen sie für eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit folgenden Bestandteilen: 

„Ja"-Lebensmittel

  1. Fisch: Fettreicher Fisch mit hohem Omega-3-Anteil wie Lachs, Thunfisch, Makrele, Hering und Sardinen kann sehr hilfreich sein. Eine Studie aus dem Jahr 2016 ergab, dass sowohl kleine als auch große Mengen Fischöl die Schmerzen lindern und die Körperfunktionen verbessern. Omega-3-Fettsäuren tragen dazu bei, die Mengen an C-reaktivem Protein (CRP) und Interleukin-6 zu senken, die Entzündungen im Körper hervorrufen.
  2. Gemüse: Dunkles Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Mangold, Pak Choi (chinesischer Blätterkohl) und Blattkohl enthalten Antioxidantien wie die Vitamine A, C und K, die die Zellen vor freien Radikalen schützen und viel Kalzium liefern. Rosenkohl, Weißkohl, Pak Choi und Blumenkohl enthalten sogenanntes Sulforaphan. Forschungen an Mäusen zeigen, dass Sulforaphan den Entzündungsprozess hemmt und den Knorpelschaden bei Arthrose verlangsamen kann; der Nachweis beim Menschen steht allerdings noch aus.
  3. Gesunde Fette: In einer Studie aus dem Jahr 2017 mit mehr als 2.000 Arthrosepatienten wurde festgestellt, dass die Gelenkschäden bei den Patienten, die die größten Fettmengen zu sich nahmen (insbesondere gesättigte Fette), sich verstärkten, während die Erkrankung bei den Patienten, die zu gesunden Fetten wie Olivenöl und Avocados griffen, nur wenig fortgeschritten war.
  4. Anthocyane: Diese natürlich vorkommenden Verbindungen kommen in vielen Lebensmitteln vor, z. B. in Kirschen, Blaubeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Anthocyane sind die Pigmente, die roten, violetten und blauen Pflanzen ihre Farbe geben. Sie dienen als Antioxidantien, bekämpfen freie Radikale und können entzündungshemmende Eigenschaften und andere gesundheitliche Vorteile bieten.
  5. Vitamin C: Es wurde festgestellt, dass Vitamin C dazu beiträgt, den Knochen zu erhalten und Knorpelzellen zu schützen. Vitamin C ist in vielen Obst- und Gemüsesorten zu finden, z. B. in Zitrusfrüchten, Kiwis, Grünkohl, Erdbeeren und vielen mehr.
  6. Pflanzen und Ballaststoffe: Es gibt Hinweise darauf, dass bei Personen, die eine auf pflanzlicher Nahrung basierende Vollwertkost zu sich nahmen, die Schmerzen durch die Arthrose zurückgingen. Nach nur sechs Wochen gaben sie an, dass sie mehr Energie verspürten und fitter waren. In einer anderen Studie wurde festgestellt, dass eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko einer Gonarthrose um bis zu 61 % senken kann. 
  7. Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte: Bestimmte Nüsse und Samen, darunter Walnüsse, Mandeln und Pistazien sowie Leinsamen und Chiasamen, sind reich an Stoffen wie Magnesium, L-Arginin und Vitamin E, die entzündungslindernd wirken können. Auch in Bohnen (schwarze Bohnen, Wachtelbohnen und Kidneybohnen) wurden entzündungshemmende und antioxidative Verbindungen nachgewiesen. 

„Nein"-Lebensmittel

Barry Sears, Ph.D., ehemaliger Forscher an der Boston University School of Medicine und dem Massachusetts Institute of Technology, ist ein langjähriger Verfechter entzündungshemmender Lebensmittel. Laut Dr. Sears ist der Verzehr von Zucker, raffinierten Kohlenhydraten, rotem Fleisch, verarbeiteten Lebensmitteln sowie Mais- und Sojabohnenölen „nichts anderes, als würde man ein Streichholz in einen Benzinkanister werfen". Unter anderem rät er von den folgenden Lebensmitteln ab, wenn jemand versucht, eine Entzündung einzudämmen:

  1. Zucker: Von Zucker in Reinform (ein Zuckerwürfel) bis hin zu verstecktem Zucker (dieser köstliche, aromatisierte Caffè Latte, den Ihr Barista gerade zubereitet hat): Der Verzehr von Industriezucker kann die Freisetzung von entzündlichen Zytokinen im Körper auslösen, die wiederum Schmerzen und Entzündungen verstärken. 
  2. Fleisch: Bestimmte Sorten, insbesondere rotes Fleisch, sind reich an gesättigten Fettsäuren und können daher die Entzündungsreaktion bei Personen fördern, die übermäßige Mengen zu sich nehmen. Gegrillt, gebraten, frittiert oder in der Mikrowelle zubereitet: Bei Fleisch und Fleischerzeugnissen, die starker Hitze ausgesetzt sind, können Glykierungsendprodukte (AGE) entstehen, die Entzündungen verstärken können.
  3. Omega-6-Fettsäuren: Eine bestimmte Menge dieser Fettsäuren ist für die ausgewogene Ernährung erforderlich, ein Überschuss kann dagegen eine Flut entzündungsfördernder Chemikalien auslösen. Diese Fettsäuren sollten daher nur in begrenzter Menge verzehrt werden. Omega-6-Fettsäuren finden sich in Ölen wie Mais-, Distel-, Sonnenblumen-, Traubenkern-, Soja-, Erdnuss- und Pflanzenöl sowie in Mayonnaise und vielen Salatsaucen.
  4. Raffinierte Kohlenhydrate: Es wurde festgestellt, dass Weißmehlprodukte sowie Kartoffeln und Reis die Produktion von Glykierungsendprodukten (AGE) im Körper fördern, die Entzündungen verstärken können.

„Vielleicht"-Lebensmittel

  1. Milchprodukte: Als Kinder sollten wir wohl alle jeden Tag ein großes Glas kalte Milch trinken. Aber ist Milch immer noch „gut für den Körper"? Eine Auswertung von 52 klinischen Studien ergab, dass Milchprodukte im Allgemeinen entzündungshemmend wirken, außer bei Personen, die gegen Kuhmilch allergisch sind. Die bisher überzeugendsten Beweise drehen sich um Joghurt, den die Forscher der Harvard T. H. Chan School of Public Health mit einer Linderung von Entzündungen in Verbindung bringen. Diese Annahme muss jedoch noch in strengen klinischen Studien bestätigt werden. Im Allgemeinen empfehlen Experten eine Eliminationsdiät, mit der festgestellt werden soll, ob sich die Arthrosesymptome eines Patienten nach dem Verzehr von Milchprodukten verbessern oder verschlechtern.
  2. Nachtschattengewächse: Eine ganz andere Gemüsegruppe aus der Familie der „Nachtschattengewächse" ruft geteilte Meinungen hervor, zumindest wenn es um Entzündungen geht. Einige Nachtschattengewächse haben als Lebensmittel ihren Einzug auf den Speisezettel gehalten, z. B. Kartoffeln, Auberginen, Tomaten und bestimmte Paprikasorten. Diese Lebensmittel enthalten die chemische Verbindung Solanin, die arthrosebedingte Schmerzen oder Entzündungen mutmaßlich verschlimmern soll. Bislang wurde jedoch noch nicht in Forschungen nachgewiesen, dass Solanin zu Entzündungen beiträgt.
  3. Nahrungsergänzungsmittel: Sowohl Kurkuma (gelber Ingwer oder Curcuma longa) als auch grüner Tee wurden auf ihren möglichen Nutzen bei der Behandlung von Arthrosesymptomen untersucht. Die ersten Ergebnisse waren durchaus vielversprechend: In einer Studie aus dem Jahr 2016 wurde festgestellt, dass Patienten mit Gonarthrose, die Curcuma longa zu sich nahmen, eine klinische Verbesserung ihrer Symptome verspürten. Zudem wurde festgestellt, dass grüner Tee zur Linderung von Entzündungen und Gelenkschäden beiträgt. Die Studie wurde allerdings an Patienten mit rheumatoider Arthritis statt mit Arthrose durchgeführt, also mit einer anderen Erkrankung. 

Etwas Sport als i-Tüpfelchen

Die sogenannten „Ja"-Lebensmittel können zudem zu einer Gewichtsabnahme führen, die für übergewichtige Patienten mit Kniearthrose empfohlen wird. Durch das zusätzliche Körpergewicht wirkt sich körperliche Aktivität stärker auf die Gelenke aus, sodass unbeabsichtigt die Knie stärker belastet werden.

Leider empfinden viele Patienten mit Kniearthrose körperliche Aktivität aufgrund ihrer Erkrankung als schmerzhaft oder schwierig. Damit entsteht ein wahrer Teufelskreis: Körperliche Aktivität löst Schmerzen aus, sodass die Patienten sich weniger aktiv betätigen, was zu einer zusätzlichen Gewichtszunahme führt und die Knie noch mehr belastet. Bewegung wird immer schmerzhafter, die Patienten bewegen sich noch weniger und nehmen noch mehr zu – dieser Kreislauf ist nicht zu stoppen.

Um dem entgegenzuwirken, kann Ihnen Ihr Arzt eventuell gewisse Hilfsmittel (z. B. Entlastungsorthesen), die bei Arthrose-Patienten die Knie-Stabilität und Funktion unterstützen können. Ein Beispiel für diese Orthesen ist die Unloader One® von Össur, die das Gewicht vom betroffenen Bereich des Knies weg verlagert und so die Schmerzen reduzieren und die Funktion verbessern soll. In klinischen Studien berichteten 25 % der Gonarthrosepatienten, die die Unloader One verwendeten, von einer Verringerung ihres gesamten Schmerzmittelgebrauchs, und sage und schreibe 35 % gaben an, dass sie weniger verschreibungspflichtige entzündungshemmende Medikamente einnehmen müssten. 

Ihre Reise fängt heute an

Alles in allem empfehlen medizinische Spezialisten meist eine Kombination aus den richtigen Lebensmitteln und regelmäßiger Bewegung, damit die Patienten ihr Körpergewicht reduzieren und insgesamt ein gesünderes Gewicht halten.

Die guten Nachrichten? Eine Verbesserung der Arthrosesymptome lässt sich auch ohne extreme Veränderungen des Körpergewichts und der körperlichen Fitness erzielen. Schon rund 5 Kilogramm Gewichtsverlust können sich bei der Kniebelastung ebenso stark bemerkbar machen wie rund 15 Kilogramm.

Wenn Sie zu den Millionen Patienten mit Gonarthrose gehören, die ihrem Körper wieder mehr Aufmerksamkeit widmen möchten, fragen Sie Ihren Arzt, ob ein bestimmter Ernährungsplan und eine Knie-Entlastungsorthese Ihnen auf dem Weg zu gesünderen und glücklicheren Abenteuern helfen können.